Fehler wiederholen, statt aus ihnen zu lernen.

In der Einwohnerfragestunde der Ratssitzung vom 26.8.14 habe ich gefragt, ob man denn das Scheitern der ehemaligen Gesamtschule analysiert hätte, um auszuschließen, dass die Gesamtschule bei ihrer Wiedergründung nicht an denselben, ungelösten Problemen erneut scheitert. Die Antwort war dann eine typische Politikerantwort, dass man in die Zukunft blicken wolle und dass die Probleme halt vielschichtig seien und dass man die Ursachenanlyse beim Wiederaufbau der Gesamtschule nachholen werde.
Man beachte die Reihenfolge: Ohne wirklich zu wissen (oder zuzugeben), woran die alte Gesamtschule gescheitert ist, gründet man sie wieder neu und beschäftigt sich erst dann mit den Fehlern der Vergangenheit. Ich komme da nicht mehr mit.

Author: visu-ell

0 thoughts on “Fehler wiederholen, statt aus ihnen zu lernen.

  1. Es macht m. E. n. keinen Sinn, hier Vergangenheitsbewältigung zu betreiben. Sieht man mal davon ab, dass es nicht Auftrag des Gutachters gewesen ist, diese zu betreiben: Die Startbedingungen für die neue Gesamtschule sind völlig anders als damals – eben durch das Auslaufen der Realschule. Insofern halte ich es für Unsinnig, sich jetzt daran aufzuhängen.

    Trotzdem ist es wichtig darüber nachzudenken, was denn neben der Konkurrenzsituation damals nocht hätte besser gemacht werden können. Zum Beispiel durch ein entsprechendes Konzept, dass die Eltern zur Anmeldung reizt. Diese Überlegungen gehören aber nicht in den Auftrag des Gutachters. Sondern sie müssen jetzt angestellt werden, wenn die konzeptionellen Vorarbeiten zur neuen Schule laufen.

    Und da wäre es wünschenswert, wenn die Mahner zu Unterstützern werden: Wenn Du oder jemand aus Deinem Bekanntenkreis glaubt zu wissen, was man auf jeden Fall NICHT machen darf – oder was man auf jeden Fall machen MUSS, dann bringt Euch doch ein. Denn das Gelingen des Projekts hängt maßgeblich davon ab, dass wir aufhören uns gegenseitig zu beharken und uns darauf konzentrieren, dass es sich um eine gemeinsame Aufgabe handelt.

    1. Hallo Stefan,
      wenn ein Kind in den Brunnen gefallen ist, dann wird wohl jeder mit anpacken, das Kind zu retten, auch ich. Ich will den bevorstehenden Unfall aber von vorneherein vermeiden. In deinem Kommentar lieferst du selber zumindest eine Teil-Analyse: Für dich war es wohl schon damals ein Fehler, die Gesamtschule nicht vor der Konkurrenz mit einer guten Realschule zu schützen. Ich sehe das genau anderesherum: Konkurrenzsituationen unter Schulen steigern die Qualität der Schulen. Und wenn eine Schule sich durch die hohe Anmeldezahlen als die erfolgreichere Schule herausstellt, dann fördert man diese, statt sie zu schließen. Voerde macht das umgekehrt. Noch besteht die Chance, eine überregional attraktive Realschule in Voerde zu erhalten. Noch besteht eine Chance, für die besonders förderungsbedürftigen Kinder eine Schule in privater Trägerschaft ins Leben zu rufen.
      Da wir uns persönlich kennen Steafan, noch ein Beispiel, was dir verdeutlichen soll, warum ich nicht die Seiten vom Mahner zum Unterstützer wechseln werde. Du zählst meines Wissen zu den Mahnern und Kritikern des Sportparks in Friedrichsfeld. Du bist ja hier auch nicht vom „Mahner“ zum „Unterstützter“ geworden, nur weil eine sehr große Mehrheit anders entschieden hat, als du es für richtig gehalten hast. Manchmal erfahren die Dinge noch im letzten Momente eine positive Wendung.

      1. Hallo Werner,
        das ist nicht ganz richtig. Auch wenn ich auf Grund der jüngsten Entwicklungen wieder hoffe, dass der Sportparkplan doch noch mal grundlegend überarbeitet wird, habe ich immer betont, dass eine demokratisch getroffene Entscheidung auch für mich bindend ist.

        Konkret heißt das, dass ich mit den mehrheitlichen Ratsbeschlüssen nicht glücklich bin, aber die Notwendigkeit sehe dann im Falle einer Realisierung mich nicht den notwendigen Schritten zu versperren. Für mich das Teil einer gelebten Demokratie, ein „guter Verlierer“ zu sein, in dem man Entscheidungen auch anerkennt, wenn sie gefallen sind. In deinem Fall bedeutet das, dass ich von Dir hoffe das Du das Ergebnis der Elternbefragung als solches akzeptierst, egal ob es wie von Dir oder wie von mir gehofft ausgeht.

        Ich halte das für möglich. Deine Zurückhaltung vergangene Tage war ja ein gutes Zeichen 🙂 Und ich würde lieber mit dir und allen anderen Arbeiten, als unnötig Kraft in Scharmützeln zu vergeuden, die Voerde nicht weiter bringen. Deal?

        1. Demokratische Entscheidungen des Rates oder das Ergebnis eines demokratischen Bürgerentscheids akzeptiere ich in jedem Fall. Das ist selbstverständlich. Solange aber keine endgültige demokratische Entscheidung vorliegt, werde ich versuchen, das Beste für unsere Kinder, Eltern und unsere Stadt herauszuholen. Dass ich, wenn die Dinge eben in eine falsche Richtung gelaufen sind, hinterher versuchen muss, das Beste aus der Situation zu machen, ist doch klar. Doch noch ist das Spiel nicht aus und nach dem Spiel ist immer auch vor dem Spiel. In der Folge der sich abzeichnenden Fehlentscheidung wird es darum gehen, daran mitzuwirken, dass die neue/alte Gesamtschule ein wirksames Förderkonzept für die Schülergruppe mit mangelnder Lern- und Leistungsbereitschaft auf die Beine gestellt bekommt und dass es gelingt, die in ein paar Jahren drohende Schließung des Gymnasiums zu verhindern. Denn die fatale Logik, gute Schulen zu schließen, um schwächere Konkurrenten an ihre Stelle zu setzen, ist ja nicht vom Tisch.

  2. Und jetzt die Gretchenfrage: woher weißt du, was das Beste für die Kinder ist? Ich weiß dass nicht, deswegen verlasse ich mich auf das, was die Fachleute sagen. So wie sich andere auf meine Ausführungen in meinen Fachgebieten verlassen. Vielleicht kannst du das auch und den Ausführungen des Gutachters mehr Vertrauen schenken?

    1. Natürlich weiß ich nicht, was objektiv das Beste für die Kinder ist. Das eiß niemand. Meine Texte sind immer als Meinungsäußerungen zu erkennen. Wenn ich schreibe: „Das ist das Beste für die Kinder“, dann ist klar, dass ich persönlich davon überzeugt bin, dass es das Beste für die Kinde ist. Ich glaube niemand ist so naiv zu glauben, dass ich mir anmaße, im Besitz der ansoluten Wahrheit zu sein.
      Zum zweiten Thema deines Kommentars:
      Während meiner aktiven Ratszeit habe ich Gutachter kommen und gehen sehen. Ein Gutachter hat der Stadt geraten, die Gesamtschule aufzulösen. Ein anderer Gutachter rät jetzt zur Wiedergründung. Gutachter, die der Auffassung der Verwaltung widersprochen hätten, habe ich nie kennengelernt. Gutachter schaffen schnell eine Scheinobjektivität, die von den Politikern immer hinterfragt werden uss. Die Zusammensetzung der Zukunftswerkstatt mit ihrem scheinbar objektiven Abstimmungssergebnis ist so ein Beispiel. Die GEW war vertreten, der Realschullehrerverband war es nicht. Ganz entscheidend ist auch, welche Personen für welche Institution an so einer Werkstatt teilnehmen. Mit Frau Schneider, die ich sehr schätze, hatte man eine hervorragende Protagonistin einer Gesamtschule gefunden. Will sagen, ich habe meinen Obrigkeitsglauben an so manche Gutachter verloren. Für mich bleibt es zum Beispiel ein Skandal, dass der Gutachter sich nicht mit der Frage des Scheiterns der Gesamtschule auseinandergesetzt hat. Oder auch die Aussage, dass die Realschule ein Auslaufmodell sei, ist Stimmungsmache aber keine objektivierbare Aussage.

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